Getreideversuche mit EM-Technologie in Belarus
In den Jahren 2001 bis 2006 führte ich Feldversuche unter Anwendung der EM-Technologie im Gemüse- und Getreideanbau in staatlichen und privaten Betrieben durch.
Wie wir wissen, hängt der Getreideertrag von verschiedenen Faktoren ab. In unserem Land liegt der konventionell produzierte Ertrag im Durchschnitt zwischen 3 – 5 Tonnen pro Hektar und beruht traditionell auf dem breiten Einsatz von agrochemischen Mitteln. Wie in einer Vielzahl von Publikationen nachgewiesen wurde, liegen die Nachteile dieses Konzeptes, speziell für die Umwelt, auf der Hand. Auch heute sind wir auf dem Weg, gesunde Nahrungsmittel in ausreichrnden Mengen zu erzeugen, leider nicht viel weiter gekommen.
In diesem Zusammenhang ist die Technologie der Effektiven Mikroorganismen von Prof. Higa buchstäblich revolutionär. Durch die Anwendung der EM-Technologie in der Landwirtschaft kann der Getreideertrag um ein Vielfaches gesteigert werden (über 100 %). Dies bestätigen auch meine Versuche auf kleinen Flächen. Praktisch heißt das, wir könnten von jedem Hektar das Doppelte, gar Dreifache im Vergleich zur bisherigen Ernte erzielen. Somit wäre es möglich, in ausreichendem Umfang umweltverträglich gesunde Nahrungsmittel für die Menschen zu produzieren.
An dieser Stelle fragt man sich: wie kommt es zu diesen phänomenalen Ergebnissen?
Moderne konventionelle agrochemische Mittel scheinen ihre Grenze erreicht zu haben. Jedes Zuwachsprozent des Mehrertrages kommt nur noch sehr schwer zustande. Einige Erfolge wurden durch sogenannte saubere (ökologische) Landwirtschaft (Anwendung der grünen Masse als Dünger) erzielt. Aber auch hier sehen wir keinen Durchbruch.
Das Wunderbare ist, wie meine fünfjährige Erfahrungen gezeigt haben, dass die Natur jeder Pflanze kolossale Reproduktionseigenschaften gegeben hat, die mit Hilfe der EM-Technologie entfacht werden können.
In unserer modernen Praxis der agrochemischen Landwirtschaft läuft die Bestockung der Pflanzen (d.h. die Ausbildung von Pflanzen mit mehreren Stängeln) sehr schwach ab. Im Allgemeinen entwickelt sich aus einem Korn eine Ähre, bei einem kleinen Anteil von Pflanzen wachsen zwei und in Ausnahmefällen mehrere Stängel. Bei Kulturen ohne ausgeprägter Bestockung, wie Buchweizen, Leinen und Soja-Bohnen, entwickelt sich in der Regel ein Hauptstängel mit unbedeutender Verzweigung. Die Samen sitzen hauptsächlich am Hauptstängel und ihre Anzahl ist relativ gering.
In den vergangenen fünf Jahren führte ich eine breite Versuchsreihe mit Winter- und Sommerkulturen durch, welche in unserer Landwirtschaft einen hohen Stellenwert besitzen. Dabei handelte es sich um 5 Sorten Weizen, 6 – Gerste, 4 – Hirse, 4 – Leinen, 2 – Buchweizen und 4 – Sojabohnen. Für alle Kulturen wandte ich eine einheitliche Versuchsmethodik an, ohne Einsatz chemischer Düngemittel, chemischer Stimulatoren, Mist oder Kompost. Das einzige Düngemittel war Bokashi, den ich nach allgemein bekanntem Rezept vorbereitet habe: ich nahm eine definierte Menge an verschiedenem Grünzeug (meistens Unkraut), bearbeitete diese Mischung mit EMa und ließ das Material einige Tage bei 35 – 37°C „garen“. Danach hob ich ein Beet von 50 cm Breite, 4 bis 5 Meter Länge und 10 bis15 cm Tiefe aus und verteilte das Grünmaterial als eine 5 bis 7 cm dicke Schicht gleichmässig in der Grube. Danach schloss ich das Beet mit der ausgehobenen Erde (s. Abbildung 1 und 2).
Abb. 1: Ausheben eines Beetes

Abb.2: Aufschichten von Grünmasse
In diese Beete wurden die Samen ausgesät. Je nach Versuch variierte ich die Anzahl der Körner pro Aussaatstelle zwischen 1 und 4 Stück mit einem Aussaatabstand von 10-15 cm. Der Reihenabstand betrug 15-20 cm. Nach der Keimung vereinzelte ich die Pflanzen (s. Abbildung 3).
Abb. 3 Die gekeimten Pflanzen
Alle
Versuchskulturen entwickelten sich in diesem Jahr
nicht normal. Ausschlaggebend dafür waren die
ungünstigen klimatischen Bedingungen in diesem
Frühling und Sommer in unserer Region.
Von der zweiten Maihälfte bis Anfang Juni waren die
Niederschlagsmengen normal. In den nachfolgenden ca.
1,5 Monaten bis zum 20. Juli gab es gar keinen
Niederschlag mehr. Die Versuchsflächen wurden
wöchentlich moderat gesprengt.
Im August und September gab es außergewöhnliche,
sintflutartige Niederschläge. Trotzdem wurden alle
ausgesäten Kulturen im reifen Zustand geerntet
(Abbildung 4).
Abb. 4: Ernte 2006
Abbildung
4 zeigt Pflanzen, welche ich gebündelt habe.
In der oberen Reihe von links nach rechts: 4 Sorten
Sommerweizen, 5 Sorten Gerste, 4 Sorten Hirse, Roggen
und Wintertriticale und Leinen (Flachs).
In der unteren Reihe von links nach rechts –
Buchweizen, Sojabohnen, Kürbis, drei Maiskolben sowie
Öllein.
Interessant ist auch mein
Zahlenmaterial, welches ich in der Tabelle 1
zusammengestellt habe. Der Weizen wurde entgegen der
konventionellen Landwirtschaft, vier Jahre
hintereinander auf derselben Fläche angebaut. Alle
vier Weizensorten zeichneten sich durch eine sehr
gute Bestockung aus. Jeder ausgebildete Stängel besaß
eine vollwertige Ähre.
Die Anzahl
der Stängel mit Ähren variierte von minimal 5 Stück
bis maximal 17 Stück. Die Anzahl der Körner in einer
Ähre schwankte von minimal 52 Stück bis maximal 64
Stück. Die Kornmasse von 1000 Körnern betrug 43,4
g.
Auch
Gerste wurde das vierte Jahr hintereinander auf
derselben Stelle angebaut. Die Anzahl der Stängel bei
allen fünf Sorten war minimal 12 und maximal 32
Stück.
Der Hafer
entwickelte minimal 5 und maximal 14 Stängel. Im
Durchschnitt zählte ich bei dieser Kultur 460
Körnerpaare mit einer Masse von 32 g.
Buchweizen
ist eine Pflanze mit einer baumartigen, verzweigten
Stängelstruktur. Die Seitenzweige brachten viele
Buchweizenkörner hervor. Pro Stängel wuchsen 15-20 g
Körner.
Auch die
Sojabohnenpflanze ähnelt einem Strauch mit sehr
ausgeprägten Verzweigungen. Die Anzahl der Hülsen in
einem Knoten betrug bis zu 5 Stück. Jede Hülse
beinhaltete 1 bis 4 Bohnen.
Abbildung 5
zeigt (von links nach rechts) die Bündel von Hirse,
Sojabohnen und Buchweizen, die dank der
EM-Technologie aus jeweils lediglich 20 bis 30
Körnern des Saatgutes gewachsen sind.
Abb. 5: Hirse, Sojabohnen und Buchweizen
Die
Bestockung bei Hirse lag zwischen 5 und 14 Stängel.
Jeder Stängel trug 3 bis 5 Ähren. Einzelne Pflanzen
waren bis 1,3 Meter hoch.
Die genaue
Körneranzahl und -masse konnte ich wegen der
ungleichen Reifung der Ähren und wegen des Abfallens
reifer Körner nicht erfassen.
Die Anwendung
der EM-Technologie auf großen Flächen wird dann
erfolgreich sein, wenn bestimmte Bedingungen für die
Vegetation optimal gestaltet werden. Einige hängen
von uns Menschen ab, während andere von klimatischen
Gegebenheiten der Region beeinflußt werden.
Die Bedingungen im einzelnen:
1. Der Boden muss ausreichend mit Bokashi von sehr
guter Qualität gedüngt werden.
2. Die Bodenbearbeitung und die Einarbeitung von
Bokashi muss bei einer für die Region optimalen
Temperatur durchgeführt werden.
3. Das Saatgut entspricht den Qualitätsstandards.
4. Die Fläche muss frei von Unkraut sein.
Im
Anfangsstadium wird es nicht immer möglich sein, über
genügend Bokashi zu verfügen. Als Alternative könnte
man eine Fläche nutzen, auf der verschiedene Gräser
wild wachsen. Dieses Wildgrasgrundstück wird zweimal
mit EMa in der Konzentration 1:30 bearbeitet, gefräst
und anschließend eingesät. Es sind auch andere
Anwendungen vorstellbar. Der Sinn besteht in der
maximalen Annäherung an die oben aufgelisteten
Bedingungen.
Obwohl die oben aufgeführten Ergebnisse auf kleinen
Flächen erzielt wurden, zeigen sie die Potentiale der
EM-Technolgie von Prof. Higa für die Steigerung der
Erträge. Die Möglichkeit, die Menschheit mit gesunden
Lebensmitteln in ausreichenden Mengen zu versorgen,
erscheint in diesem Sinne keine Utopie zu sein.
